Fallbeispiel: Schmerztherapie, Kopfschmerzen nach Sturz auf den Hinterkopf
- Silvan Grob

- 16. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Schmerztherapie, Kopfschmerzen nach Sturz auf den Hinterkopf
Ein Fallbeispiel aus Rudolf Merkels Praixs.
Erstkontakt
Ich nehme das Beispiel einer 30-jährigen Klientin A, Frau M., die vor einem halben Jahr von einem Gerüst stürzte. Sie erlitt eine offene Schädelfraktur des Hinterhauptsbeines und kam dann ein Jahr nach ihrem Unfall mit Kopfschmerzen und Sehstörungen in meine Therapiesitzung.
In dem Erstgespräch erkläre ich Frau M.: „Wenn Sie auf den Hinterkopf gefallen sind, ist es möglich, dass dieser hintere Knochen nicht mehr beweglich ist. Wenn dieser Knochen fixiert ist, wird die Eigenbewegung des Organs Gehirn von außen eingeschränkt. Die Beschwerden, die entstehen, sind meist individuell. Die eine hat Kopfschmerzen und Schwindel, die andere hat psychische Beschwerden wie Depressionen.“
„Ja“, sagt Frau M., „meine Kinder sagen“ – und dabei zeigt sie auf ihre 12-jährige Tochter, die mitgekommen ist – „ich habe nicht nur Kopfschmerzen, meine Kinder sagen mir, ich sei nicht mehr so lustig, vertrage laute Musik nicht und sei schnell gereizt.“
Dann bitte ich die Klientin, sich auf die Behandlungsliege zu legen und beginne mit der Untersuchung.
Untersuchung (Diagnostic Touch)
Bei der ersten Untersuchung der Klientin bemerke ich, dass das Hinterhauptsbein unbeweglich ist, d. h., dass es zwischen den beiden Schläfenbeinen verkeilt ist.
Die Ear Pull-Technik wäre sehr einfach und bietet die mechanische Möglichkeit, diese Verkeilung zu lösen. Bei dem Ear Pull ziehen wir vorsichtig die beiden Schläfenbeine nach hinten außen (dorso-lateral). Da unser Ohrknorpel fest mit dem Os temporale verbunden ist, kann ich damit die beiden Ossa temporalia aus der Verkeilung lösen. Ich warte aber noch mit dieser einfachen mechanischen Technik. Des Weiteren bemerke ich, dass das Hinterhauptsbein nicht nur eingekeilt ist, sondern dass es nicht im CS-Rhythmus schwingt, oder anders ausgedrückt, das Os occipitale resoniert nicht mit dem CS-Rhythmus.
Rhythmische Mobilisierung (Therapeutic Touch)
Nachdem die Klientin sich auf die Behandlungsliege gelegt hat, nehme ich als erstes über die Füße Kontakt auf – indem ich diese halte. Dann nehme ich den Kopf in die Hand, der Kopf fühlt sich an wie eine pralle, gespannte Eisenkugel. Trotzdem suche ich mit den Händen die Eigenbewegung (CS-Rhythmus), welche nur ganz subtil wahrzunehmen ist, und gehe mit dieser mit. Ich bemerke weiterhin eine deutliche Unbeweglichkeit der Knochen, welche die Nasenwurzel bilden, und beginne die Knochen im Bereich der Nasenwurzel (Os frontale, Maxilla, Os ethmoidale) zu lösen. Die Atmung der Klientin wird tiefer, ich nehme den ganzen Kopf in die Hand und suche wieder den Kontakt zum CS-Rhythmus. Ich bemerke, dass sich jetzt der Stress auf die Schädelbasis konzentriert. Ich erlaube weiterhin meinen Händen, dass sie vom CS-Rhythmus der Klientin mitgenommen werden, und warte auf eine noch tiefere Entspannung.
Sie sehen das Wechselspiel von Entspannungs- und Lösungstechniken, welches die Nachhaltigkeit der Therapie bewirkt. Das Mitgehen mit dem craniosacralen Impuls, auch wenn dieser sehr reduziert ist, bewirkt eine gute und tiefe Qualität der Entspannung.
Eine gute und tiefe Entspannung ist die beste Voraussetzung, ein Gelenk/Sutur zu lösen, z.B. das Kreuzbein, das Hinterhauptsbein oder die Schläfenbeine. Gute Lösungstechniken öffnen das Tor für eine noch tiefer reichende Entspannung.
Jetzt kommt der Moment, wo ich mit den Schläfenbeinen Kontakt aufnehme und die beiden Knochen langsam und vorsichtig mit dem Ear Pull nach dorso-lateral ziehe. Der Atem der Klientin wird noch langsamer und tiefer, sie beginnt sogar zu schnarchen.
Nachdem die craniosacralen Strukturen relativ frei sind und mit dem CRI mitschwingen, macht es Sinn, die Sitzung noch mit einem biodynamischen Teil zu vertiefen. Ich wende die Seams-Technik im Bereich der Tentorien an, sodass ihre Kräfte der Embryogenese die Membranen wieder in ihrer Erneuerung unterstützen. Schließlich werde ich mir bewusst, wie der Fluid Body der Wahrnehmungszone B durch ihren Kopf und Nacken strömt, eingebettet in einer Long Tide der Wahrnehmungszone D. Es ist sehr beeindruckend, wie die Selbstheilungskräfte der verschiedenen biodynamischen Ebenen wirken.
Nach der Behandlung sagt die Klientin mir: „Als Sie vorne an der Nasenwurzel waren, habe ich heftige Schmerzen in meinem Hinterhaupt wahrgenommen, dann kamen viele Bilder und ein seltsames Gefühl von Angst, Verlassensein, ich weiß nicht mehr was, und dann habe ich sogar meinen tiefen Atem gehört.“
Nach der zweiten Behandlung gebe ich ihr eine Selbsthilfeübung (Three way tension).
Nach vier Behandlungen sind die Kopfschmerzen, der Schwindel und die Sehstörungen deutlich besser. Nach weiteren sechs Behandlungen im Abstand von zwei bis vier Wochen ist sie nicht mehr lärmempfindlich und die Kinder erleben sie nicht mehr als gereizt.
Ihre Erfahrung interessiert uns
Haben Sie bereits ähnliche Fälle begleitet?
Welche Erfahrungen haben Sie mit Diagnostic Touch und der Ear-Pull-Technik gemacht?
Wir freuen uns auf Ihre fachlichen Rückmeldungen und den Austausch in den Kommentaren.
Herzlich grüsst
Euer Cranioschule-Team


Hier ein passendes Fallbeispiel, das ich in einem Clean Language-Webinar vorgestellt habe: Ein neunjähriges Mädchen – nennen wir sie Anna – kam in Begleitung ihrer Mutter zu mir. Die Mutter erzählte, dass die Tochter auf dem Spielplatz von einer Spielkameradin umgerannt worden und dabei auf den Hinterkopf gefallen sei. Seither hätte sie starke Kopfschmerzen.
Ich fragte das Mädchen, ob es in Ordnung sei, wenn ich sie am Kopf berühre. Sie bejahte das und so begann ich meine Untersuchung.
In der Craniosacral Therapie interessiert uns neben der rhythmischen Bewegung immer auch die freie Beweglichkeit der Strukturen zueinander. Ich stellte fest, dass bei Anna das Hinterhauptsbein zum Keilbein (SSB) blockiert war.
In der „normalen“ craniosacralen Arbeit hätte ich nach diesem klaren Befund einfach weitergearbeitet…